Wie du mich als queere Frau wirklich verletzen kannst.

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Eigentlich ist da nicht mehr viel.

 

Seit über drei Jahren bin ich nun mit Rainbowfeelings öffentlich im Internet. Drei Jahre voller unendlich viel Liebe. Und gleichzeitig so viel Hass und Ablehnung. Die wütenden Kommentare von Männern die sich angegriffen fühlen, wenn eine Frau komplett unabhängig von ihrer Männlichkeit ist, zähle ich schon längst nicht mehr. Ich vergesse sie in dem Moment, in dem ich sie Tag für Tag von meinen Seiten lösche.

 

Die Blicke auf den Straßen, die Kommentare, wenn ich Hand in Hand mit einer Frau in Berlin entlang laufe, die Pfiffe aus heruntergelassenen Autofenstern höre ich nicht mehr. Die (manchmal unbeabsichtigten) Vorurteile in Gesprächsrunden, die Zurückhaltung, die verletzenden Fragen bemerke ich kaum noch. Selbst die Ablehnung aus meiner eigenen Community von Menschen, die sich lieber beschweren, anstatt selbst etwas auf die Beine zu stellen, berühren mich nicht.

 

Ich beziehe all das schon längst nicht mehr auf mich, denn meine Kraft möchte ich für die ganzen schönen Dinge des Lebens nutzen. Für die Dinge, die wirklich etwas verändern, für neue Blogposts, Email Support, Buchprojekte und neue, abenteuerliche Ideen.

 

Ich bin hart geworden in dem Kampf, den ich für die Liebe kämpfe.

 

Und deshalb gibt es kaum etwas, das mich verletzen kann.

 

Klar, ich bin manchmal traurig, weine Tränen der Verzweiflung und renne wütend durch die Straßen. Aber meist dauert es nur wenige Minuten oder 1-2 Stunden, dann ist es wieder da. Mein Lachen, mein Tatendrang, meine Liebe zum Leben. Und ok, manchmal muss ich auch eine Nacht darüber schlafen, bevor ich meine Tränen endgültig trocknen kann. Aber länger kann mich nichts mehr von meinem inneren Glück abbringen.

 

Rainbowfeelings, lesbisch

 

Es gibt kaum etwas, das mich verletzen kann, kaum ein Gefühl, das ich nicht sofort in produktive Macherinnen-Energie oder ein träumerisches Gedicht verwandeln kann.

 

Kaum.
Außer eins.

 

Das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.
Nicht valid zu sein.

 

Das Gefühl, mein Herz, meine Gefühle, meine Liebe zu Frauen zählt nicht.
Oder zählt weniger. Ist weniger wert. Weniger wichtig. Weniger ernst zu nehmen.
Können außer Acht gelassen und herunter gespielt werden.

 

Es ist eben dieses Gefühl, das sich einstellt, wenn Männer ok damit sind, wenn ihre Freundin eine andere Frau küsst. Aber auf die Barrikaden gehen würden, wäre es ein Mann.

 

Es ist das Gefühl, verliebt zu sein, mein Herz verschenkt zu haben, wirkliche Verbundenheit zu spüren und dann zu bemerken, nach außen wirkt es einfach wie innige Freundschaft.

 

Es ist dieses Gefühl, wenn eigentlich klar ist, dass da so viel mehr ist als Freundschaft. Aber weil es eben zwei Frauen sind, zählt es nicht so viel. Nicht für die anderen um uns herum. Und vielleicht sogar auch nicht für uns selbst.

 

Es ist das Gefühl, wenn ich eine Frau küsse und wir von einem Mann gefragt werden, ob er mitmachen könne. Und plötzlich scheint es, als gehöre unser Kuss nicht mehr uns. Als wäre er gestohlen worden, als hätte er nie allein unserer sein sollen.

 

Es ist das Gefühl, wenn wir frauenliebende Frauen in Pornos abgebildet werden und unser Sex, unsere Orgasmen, unsere Lust plötzlich nicht mehr für uns da ist. Sondern für die Männer, die zuschauen.

 

Diese Zeilen zu schreiben macht mir Angst.

 

Denn sie sind meine größte Schwäche.
Meine größte Verletzlichkeit. Der Schatten in meinem Leben, vor dem ich immer und immer wieder zurück schrecke.
Diese Zeilen sind meine Alpträume, die mich in mancher Nacht heimsuchen. Mich durchschütteln und nach dem Aufwachen erschöpft zurück lassen. Sie sind die eisigen Finger in meinem Herzen, die Ketten an meiner Seele.
Warum?

 

Vielleicht weil ich mich selbst so lange in eben diese Ketten gelegt habe.

 

Weil ich selbst mein Herz, meine Gefühle, meine Liebe zu Frauen heruntergespielt habe.

 

Ich habe mich selbst jahrelang nicht ernst genommen und gedacht, meine Gefühle für Frauen seien nicht so wichtig, wie sie sich angefühlt haben.
All die Zärtlichkeit, die innigen Umarmungen, die verkuschelten Nächte und vorsichtigen Küsse – einfach nur eine schöne Freundschaft zwischen zwei Frauen.
Die Verbundenheit unserer Herzen, die überwältigten Blicke in unseren Augen – Freundschaft, denn wir sind ja zwei Frauen.
Dass ich dich vermisse und dich am liebsten jeden Tag den ganzen Tag sehen würde – Freundschaft, ist ja klar.

 

Es schmerzt mich so sehr, diese Zeilen zu schreiben.

 

Mir, dir und der Welt einzugestehen, wie sehr ich mich selbst verleugnet habe. Wie viele Jahre ich mir das mit der Freundschaft eingeredet habe. So viele Jahre, dass ich mich auch heute noch manchmal dabei ertappe, fast wieder in diese Falle zu fallen.

 

Rainbowfeelings, lesbisch
 

Denn, woran erkennt man schon den Unterschied zwischen einer tiefen Verbindung, einer innigen Freundschaft, einer Seelenverwandten mit der man einfach viele tiefe Momente teilt und dem Wissen, da ist noch so viel mehr, das für uns möglich wäre?

 

Ich will es dir sagen.

 

In dem du dein Herz wirklich, wirklich sprechen lässt.

 

Hörst du es, das Pochen deines Herzens?
Spürst du es, die leise Sehnsucht, die in der Stille zu dir dringt?
Fühlst du es, das Kribbeln in deinem ganzen Körper, wenn meine Hand deine berührt?
Denkst du an mich, in Momenten, in denen du eigentlich an jemand anderen denken solltest?
Scheint es plötzlich, als würden all die verträumten, romantischen Songs von dir und mir handeln?
Vermisst du mich, wenn du dich einsam fühlst?
Wünscht du dir, du könntest bei mir sein, wenn du alleine bist?

 

Dann muss ich dich leider enttäuschen. Denn das ist alles andere als Freundschaft. Es ist so viel mehr. Und ist das nicht wundervoll?

 

Ich schreibe diese Zeilen hier, weil mir in den letzten Jahren bewusst geworden ist, wie sehr wir Frauen gelernt haben, uns selbst und unsere Gefühle nicht wirklich ernst zu nehmen.

 

Das mit der Freundschaft ist nur ein Beispiel. Denn das Problem ist so gut wie in jedem Lebensbereich zu finden.

 

Wir haben nie gelernt, unsere Wünsche klar auszudrücken. Denn oftmals können wir das nicht mal vor uns selbst.
Wir haben nie gelernt, nein zu sagen. Und wie sollten wir das auch glaubhaft tun, wenn wir selbst nicht wissen, dass jedes Nein richtig und wichtig ist.
Wir haben nie gelernt, wie wir genau den Unterschied machen, zwischen der Lust, dem Verlangen, das uns die Gesellschaft als Richtig verkauft und der Lust, die wirklich aus unserem tiefsten Inneren kommt.

 

Es macht mir Angst, darüber nachzudenken. In so vielen Situationen habe ich gegen mich gehandelt, weil ich dachte, meine Gefühle seien nicht richtig, nicht so viel wert, zählen nicht so viel. In so vielen Situationen habe ich das Richtig von anderen oder von der Gesellschaft über mein eigenes Richtig gestellt.

 

Es ist Zeit.

 

Es ist Zeit unsere Power, unser Wissen, unsere Macht über unser eigenes Richtig zurück zu erobern.

 

Lasst es uns zurück holen. Unser Gefühl dafür, was unser Herz uns wirklich sagen möchte. Unser Wissen, alles, wirklich alles was wir fühlen, ist richtig und wichtig. Unsere Kraft das auch nach Außen zu kommunizieren und durchzusetzen.

 

Ja, da gibt es so viel, das sich in der Gesellschaft verändern muss.
Aber da gibt es auch so viel, das wir in uns selbst verändern können.

 

Werde dir bewusst, was du wirklich willst.
Wer bist du, was fühlst du, was tust du, wenn du für einen Moment aufhörst das zu sein, was die Gesellschaft gerne in dir sehen würde?

 

Sei dir über dich selbst bewusst. Über deine Grenzen, aber auch über deine Grenzenlosigkeit.

 

Jedes Nein, das du sprichst, obwohl andere ein Ja erwarten würden, ist ein Ja zu dir, zu deinem Leben.
Und jedes Ja, das du spricht, obwohl andere sagen, das geht nicht, ist ein Ja zu deinen kühnsten Träumen.

 

Trau dich. Hör auf, dich selbst zurück zu halten.

 

Rainbowfeelings, lesbisch
 

Und eines Tages wird es mich vielleicht nicht mehr verletzen, wenn mein Herz und meine Gefühle für Frauen nicht mehr ernst genommen werden.
Eines Tages kann ich darüber vielleicht sogar lachen. Weil ich weiß, nicht nur ich nehme mich selbst ernst, sondern all die wundervollen Frauen und Mädchen da draußen tun das gleiche.

 

Alles Liebe,

 

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6 Comments

  1. Prokura-Seigniorage Kaufmann sagt:

    Hallo an Dich, Annie!

    Ich lese sehr gerne Deine Texte und auch wenn mein Name noch nicht als mein Personenstand anerkannt wird, haben andere Menschen (die ich sehr gut kenne) diese Identität anerkannt. Es sind Menschen, die wie Du Gewaltenlosigkeit und Toleranz verlangen und als essentielles Ziel Frieden und Akzeptanz sehen wollen.
    Ich habe mein Coming-Out schrittweise über das queere Spektrum im Inneren zu akzeptieren gelernt und es ist schön zu wissen, dass es Menschen gibt, die den Sinn des gemeinsamen Friedens und der Akzeptanz unter dem Regenbogen akzeptieren. Und es ist auch klasse, dass das Menschsein zählt und eine non-binär-Pan-Gender-Identität (ich empfinde mich als Bi-Gender und zu 90% weiblich und 10% männliche Identifikation aus meiner Geburt herleitend, spüre aber Identifikation mit vielen Gender-Identitäten, Queergender, Genderfluid, etc. / alles, was Frieden und Freiheit betont) und eine Einordnung in das asexuelle Spektrum meine stolzen verwirklichten Identifikationen sind und Basis für gemeinsame Ideale bereitstellen.

    Ich sehe Deine Arbeit als Inspiration dafür, dass auch ein Mensch, der als Mann auf die Welt gekommen ist und festgestellt hat, sich mehr über die weibliche Seite zu definieren (Frauenrechte, insbesondere der Schutz vor Gewalt; immer wieder geforderte Rechte aus der feministischen Bewegung), ist eine Existenz mit Existenzberechtigung.

    Ich möchte gerne andere Menschen ermutigen, dass Gender und Sexuelle Identitäten eines gemeinsam haben müssen: Merkmale von Freiheit, Selbstbestimmung, Gewaltenlosigkeit, Toleranz, Akzeptanz und verwirklichter Friedenshandlungen.

    Deine und Eure
    Seigniorage

    • Annie sagt:

      Hi Seigniorage,

      wie wundervoll von dir zu lesen. Danke auf jeden Fall für deine lieben Worte! Ich sehe das genauso, vor allem wir in der LGBTIQ+ Community sollten uns für mehr Liebe und Akzeptanz einsetzen. Denn jede Person ist wundervoll, genauso wie sie*er ist!

      Ganz viel Liebe an dich,
      Annie

  2. Ilvy sagt:

    „Girls like Girls,
    like Boy’s do. “

    Gibt’s da nicht so ein Lied? 😀 Toller Blog! Ich selbst glaube, bi zu sein, bin mir aber noch nicht ganz sicher.. LG!

    • Annie sagt:

      Stimmt, da gibts einen Song dazu! Mir fällt nur gerade leider nicht ein, wie der heißt 😅

      Danke auf jeden Fall für dein liebes Kompliment, freut mich sehr!
      Wenn du möchtest, kannst du dir ja gerne mal mein kostenloses Ebook herunterladen, da gehe ich insbesondere auf das Thema ein, ob du vielleicht lesbisch oder bi bist: https://rainbowfeelings.gr8.com

      Un hier gehts zum Coming Out Ratgeber, in dem wir all die Themen und Fragen ganz genau besprechen: https://rainbowlove.de

      Ich wünsche dir schonmal ganz viel Spaß beim Lesen!

      Alles Liebe,
      deine Annie

  3. Bi sagt:

    Liebe Annie, toller Post!
    Ich kenne das so, wie das ist, wenn die Gefühle von mir als Frau für andere Frauen nicht ernst genommen werden (von mir und/oder von anderen).
    Allerdings empfinde ich es als Bereicherung, in Frau-zu-Frau-Freundschaften mal Händchen halten zu können, ohne dass sofort alle denken, wie seien verliebt!
    Ich würde mir wünschen, dass dies auch in Frau-zu-Mann-Freundschaften möglich ist 🙂
    Vielen Dank fürs Veröffentlichen <3

    • Annie sagt:

      Hey meine Liebe,
      vielen Dank für dein Feedback!
      Ja, wie immer hat das auch seine Vorteile und ich wünsche mir auch so sehr, dass in Zukunft alle Menschen offener und liebevoller miteinander umgehen können. Gerade auf für Männer-Freundschaften ist das so ein wichtiges Thema, das zum Glück langsam immer mehr bewusst wird und sich bereits auch verändert – wenn im Moment auch nur in bestimmten Kreisen.
      Ganz viel Liebe an dich,
      deine Annie

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Rainbowfeelings, lesbisch, Lesben

Hey, ich bin Annie und blogge seit 3 Jahren mit voller Leidenschaft hier auf Rainbowfeelings. Ich möchte dich wie eine beste Freundin bei all deinen Fragen zu den Themen Coming Out und lesbisches L(i)eben begleiten.
Ganz viel Spaß auf Rainbowfeelings!

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