Als Lesbe nach Marokko – Reisen in einem Land, in dem Homosexualität unter Strafe steht

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Ich liebe Reisen. Vor allem neue Kulturen kennen zu lernen, neue Orte zu sehen, neue Freundschaften zu schließen – das sind die Gründe wieso ich das ganze Jahr über spare und statt shoppen zu gehen lieber meine Reisekasse auffülle.

Erst nach meinem Outing als lesbische Frau wurde mir so wirklich bewusst, dass das „Reisen wohin der Wind mich trägt“ nicht mehr ganz so einfach ist.

Früher musste ich nur die Flugpreise, Preise vor Ort und eventuell noch die Sicherheit für Frauen in meinem Wunschland auschecken. Jetzt, nach meinem Outing, fallen für mich 72, von 136, Länder einfach komplett raus, da dort Homosexualität immer noch unter Strafe steht ist.

 

Denn in ein Land reisen, in dem ich illegal bin, möchte ich nun wirklich nicht.

Gerade auch als Bloggerin, die überall öffentlich geoutet ist, kam so eine Reise für mich bisher nicht in Frage. Ob und wie gefährlich das werden konnte, kann man von Außerhalb meistens schlecht abschätzen. Dazu kommt, dass ich am Liebsten zusammen mit meiner Freundin unterwegs bin. Klar, wir achten natürlich darauf uns an die Konventionen unseres Reiselands anzupassen und knutschen nicht in aller Öffentlichkeit rum, wenn das in dem jeweiligen Land nicht üblich ist. Schließlich sind wir hier nur Gäste.

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Mich aber komplett verstecken zu müssen und mich nicht zu trauen im Hostel nach einem Zimmer mit Doppelbett zu verlangen, kommt für uns aber nicht wirklich in Frage.

 

Die Welt ist so groß und mit unserem deutschen Reisepass haben wir das rießige Privileg in fast jedes Land reisen zu können. Da muss es nicht unbedingt ein Land sein, in dem wir für unsere Liebe im Gefängnis landen könnten.

 

1. „Sagt mal, was haltet ihr von Marokko?“

Ich saß mit meinen drei besten Uni-Freundinnen in der WG Küche und wir waren gerade dabei unseren dreiwöchigen Backpackingtrip zu planen. Wo es hin gehen sollte wussten wir alle noch nicht wirklich. Neben Armenien und Georgien stand plötzlich Marokko zur Diskussion – ein Land, in dem es Meer, Berge und Wüste gibt. In dem die Namen der Städte wie aus 1001 Nacht klingen. Und in dem noch keine von uns war.

Innerhalb von Sekunden waren wir alle begeistert – und unser Reiseland beschlossen.

Noch voller Euphorie las ich zu Hause erst mal den Wikipedia-Eintrag zu Marokko um mich etwas über das Land zu informieren. Ein kleiner, für andere vielleicht unscheinbarer Absatz, lies mich innehalten.

 

„Das marokkanische Strafgesetz Artikel 489 bedroht gleichgeschlechtliche Handlungen – unabhängig vom Geschlecht der Personen – mit einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten bis zu drei Jahren und Geldbuße.“

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Marokko#Homosexualit.C3.A4t_insbesondere_unter_M.C3.A4nnern)

 

Super. Da hatte ich meinen Salat. Unter anderen Umständen hätte ich meine Reisepläne schon in der nächsten Sekunde geändert. Aber diesmal ging es nicht nur um mich, sondern um unsere ganze Gruppe. Und um ehrlich zu sein, hätte ich mich nicht getraut die andern zu bitten, unser Reiseziel nochmal über Bord zu werfen.

Was sollte auch schon groß passieren? Meine Freundin Rina war nicht dabei und auf meiner Stirn steht jetzt auch nicht unbedingt „LESBE“ in Großbuchstaben. Eigentlich hatte ich nicht wirklich einen Grund mir Sorgen zu machen.

Das versuchte ich mir zumindest einzureden. Das flaue Gefühl im Bauch blieb dennoch.

Wie viele andere Lesben und Schwule hatte ich vor meinem Coming Out einen jahrelangen Kampf gegen mich selbst geführt. Und habe dadurch ewig gebraucht mich selbst so zu akzeptieren, wie ich bin.

 

Jetzt in ein Land zu fahren, in dem meine Existenz und Liebe zu Frauen nicht nur unerwünscht, sondern von Gesetz her verboten ist und bestraft wird, fühlte sich fast wie ein Verrat gegen mich selbst an.

 

Auf der anderen Seite wollte ich die gemeinsame Reise mit meinen Freundinnen nicht verpassen. Wir hatten uns doch alle so darauf gefreut.

In den wenigen Wochen vor unserem Abflug gelang es mir mehr oder weniger mein Unbehagen zu unterdrücken.

Und ich hatte ja nichts zu befürchten. Oder?

Die Panik kam erst so richtig am Abend vor unserem Flug. Ich lag in den Armen meiner Freundin und war kurz davor, die Reise abzusagen. Wieso tu ich mir das eigentlich an? Ist es das wirklich wert?

Aber eigentlich wusste ich, dass es jetzt kein Zurück mehr gab. Das hätte ich einfach nicht vor mir selbst verantworten können.

 

2. Heute bin ich überglücklich, dass ich die Reise nach Marokko gemacht habe

Marokko ist ein wunderschönes Land. Die Leute sind uns fast immer total offen und freundlich gegenüber getreten.

Ja, wir die meisten Zeit fast die einzigen Frauen unter Männern. Und ja, die Feministin in meinem Kopf musste ich so manches mal zurück halten, gerade wenn wir mitbekommen haben, wie die marokkanischen Frauen zum Teil behandelt werden. Aber eben nur zum Teil. Die Frauen, die wir getroffen haben, waren nicht selten selbst Studentinnen und konnten oft besser Englisch sprechen als viele Männer. Meine sexuelle Orientierung hat wirklich niemanden dort interessiert.

Klar, ich hab mich auch nicht geoutet. Für viele Menschen dort ist Homosexualität nicht im Bereich des Möglichen. Und dadurch, dass wir einfach vier Freundinnen gemeinsam auf einem Backpacking Trip waren, sind die ganzen kritischen Situationen, die ich manchmal habe, wenn ich mit meiner Partnerin unterwegs bin, weggefallen.

 

Wir mussten schließlich weder nach einem Doppelbett fragen, noch uns überlegen, wie sichtbar wir auf der Straße sein können und wollen.

 

Obwohl ich vor der Reise so große Bedenken hatte, hab ich mich die ganze Zeit über total sicher gefühlt und konnte unsere Erlebnisse dort total genießen. Neben der Offenheit und Freundlichkeit der Leute, hat mich vor allem die Vielfalt Marokkos total begeistert. Meine persönlichen Highlights waren dabei unser Surf-Tag in einem verschlafenen Fischerdorf und der Kamelritt mit Übernachtung mitten in der Sahara.

 

3. Ob ich nochmal nach Marokko reisen würde?

Auf die Frage kann ich dir ein ganz klares „JA“ geben. Das, was mir am Meisten Angst gemacht hat, waren wohl meine eigenen Vorurteile in meinem Kopf und nicht das Land an sich.

Trotzdem bin ich mir immer noch nicht sicher, ob ich mit meiner Partnerin gemeinsam nach Marokko reisen würde. Als zwei Frauen hätten wir vermutlich um einiges weniger Probleme, als zwei gemeinsam reisende Männer. Das Gesetz gegen Homosexualität betrifft uns aber trotzdem und wird leider auch angewandt, was der Fall von 2 jungen Lesben, die vor Kurzem in Marokko festgenommen worden sind, zeigt.

Für eine Reise allein oder gemeinsam mit Freundinnen ist Marokko aber trotzdem ein Wahnsinns-Erlenis. Und auch für lesbische Paare, die kein Problem damit haben auf Händchen halten und Küssen in der Öffentlichkeit komplett zu verzichten.

 

4. Reisefieber – Wie organisierst du deine Reise nach Marokko?

Wenn dich jetzt auch das Reisefieber gepackt hat, fragst du dich bestimmt, wie du deinen Marokko Trip am Besten und günstigsten organisieren kannst.

Meine wichtigsten Tipps für dich:

  1. Der beste und leichteste Marokko Reiseführer für Backpacker*innen ist der Lonley Planet Marokko. Wir hatten 3 verschieden Reiseführer dabei und haben am Ende ausschließlich den Lonley Planet benutzt.
  2. Die günstigsten Unterkünfte haben wir über AirBnB bekommen, zum Teil waren richtig schöne Hostels dabei. Kleiner Tipp: Wenn du dich über diesen Link auf AirBnB neu anmeldest, bekommst du 30€ Startguthaben geschenkt!
  3. VISA Karten gibt es inzwischen eigentlich bei jeder Bank. Die meisten verlangen aber eine Provision, wenn du Geld im Ausland abhebst. Ich selbst benutze deshalb die kostenlose VISA Karte der DKB, die ich mir extra für meine Reisen geholt habe.
  4. Auf Momondo gibt es eigentlich immer die günstigsten Flüge. Wir haben hier Flugtickets für 130€ pro Person hin und zurück gefunden. Allerdings sind wir außerhalb der Schulferien gefahren.


Warst du selbst schon mal in Marokko oder einem anderen Land reisen, indem Homosexualität verboten ist? Hast du noch Fragen zum Reisen in Marokko?

Dann schreibs in die Kommentare!

Alles Liebe,

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2 Comments

  1. Runa sagt:

    Hi Annie,

    erstmal Danke dass du deine Erfahrungen mit uns teilst! Ich plane selbst demnächst mit meiner Mutter nach Marokko zu reisen, auf dem Plan steht Marrakesch und Agadir!
    Auch wenn du schon viel interessantes geschrieben hast, bleiben bei mir noch ein paar Fragen offen.. Hättest du mal Lust und Zeit mir diese zu beantworten?

    Liebe Grüße, Runa

    • Annie sagt:

      Hallo liebe Runa,
      ja klar, schreib sie mir einfach, ich antworte dir auf jeden Fall und helfe dir soweit ich es kann :).
      Liebe Grüße,
      Annie

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