#QueereRäume: Nehmt euch eure Räume wieder zurück! – Ein Aufruf

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Pride Fashion, Rainbowfashion  

Letzte Woche gab es mal wieder ein neues, queeres Highlight in Berlin:

Das Queer Summersplash – ein Freibadtag extra für Queers.

Ca. eine Woche zuvor haben meine Freundin und ich überlegt, was wir in diesem Sommer an unseren freien Tagen in Berlin gerne machen möchten. Schwimmen gehen stand eigentlich ganz oben auf der Liste.

 

Wir beide lieben Wassersport sowieso und Freibad bedeutet Entspannung, Sport und Sonne gleichzeitig. Was gibt es Schöneres als all diese Elemente zu kombinieren?

 

Vor zwei Jahren, als wir gerade zusammengezogen waren, hatten wir uns jeweils eine 10er Schwimmbadkarte geholt um öfter mal zusammen schwimmen zu gehen. Nach ein paar Mal haben wir aufgegeben. Die Karten sind mittlerweile verfallen.

Und das nicht etwa, weil wir kein Bock mehr auf Schwimmen haben.

Sondern viel mehr, weil wir es nicht mehr ertragen können, im Schwimmbad jedes einzelne Mal angestarrt zu werden, als wären wir eine zum Leben erweckte Pornofantasie. Übrigens ausschließlich von Männern Ü40, gerne mit Schwimmbrille auch unter Wasser, gerne super offensichtlich, gerne die ganze Zeit, selbst wenn wir die Person bitten, uns in Ruhe zu lassen.

Jap, auch das ist Berlin.

In meiner Kleinstadt in Bayern ist mir das nie derart offensichtlich und aufdringlich passiert.

Wir haben einiges versucht, Schwimmbäder gewechselt, andere Uhrzeiten, Sport BHs und Boardshorts statt Triangelbikinis, flüchtige Küsse zwischen durch, statt rumknutschen.

Erfolglos.

 

Wir gehen inzwischen spazieren und machen keinen Sport mehr zusammen.

 

Vor allem kein Sport, der was mit Bikinis zu tun hat.

Zumindest nicht in Berlin.

Es gibt zwar Frauenschwimmvereine und Schwimmbadöffnungszeiten nur für Frauen. Das lässt sich mit den ständig wechselnden Schichtzeiten meiner Freundin kaum vereinbaren. Sonntag ist der einzige Tag, an dem wir beide Zeit haben.

Da gibt es auch in Berlin kein Frauenschwimmen.

 

 

Letzten Sonntag waren wir also das erste Mal seit fast 2 Jahren wieder gemeinsam schwimmen

 

Was für einige eine Selbstverständlichkeit sein mag, war für mich das Highlight des ganzen Sommers.

Bereits im Eingangsbereich wurden wir von einer gehissten Regenbogenflagge begrüßt, die fröhlich im Wind wehte. Die Umkleidekabinen waren drei geteilt, unisex, Frauen, Männer, jeweils mit abschließbaren Einzelkabinen, eigenen Duschen und Toiletten.

 

Das ganze Freibad war voll von queeren Personen, in sämtlichen Klamotten, alle super happy.

 

Der Schwule in enger, goldener Badehose, die Gruppe von Lesben in XXL T-Shirts und mit coolen Caps, Familien mit Kindern, frisch verliebte Teenager-Pärchen, ältere Personen, Dragqueens mit Make-up und Stöckelschuhen:

Hier war Platz für alle.

Über das gesamte Gelände tönte chillige Musik, die sich gegen Abend in Partymusik verwandelte. Vor der Open Air Bühne sammelten sich Menschen, die Lust auf Tanzen hatten. Viele standen einfach nur daneben und genossen die schöne Stimmung. Hallal-Pommes gab es genauso wie veganes Eis, Frozen Cocktails, Burger und Donuts. Also alles, was man sich nur wünschen kann.

Um das Wohlbefinden aller Teilnehmenden sicherzustellen, lief ein Gaywatch Team in Zweier-Gruppen über das Gelände, jederzeit ansprechbar und bereit Menschen, in für sie schwierigen Situationen, zu unterstützen.

Im Prinzip lagen meine Freundin und ich den ganzen Nachmittag nur im Gras und haben uns gesonnt. Die vielen anderen Angebot, wie Frauenfußball anschauen und Wasserballtunier spielen, haben wir gar nicht wahrgenommen.

 

Wir waren zu beschäftigt mit Wohlfühlen und endlich mal wieder in aller Öffentlichkeit so viel kuscheln zu können, wie wir wollten.

 

Ganz ohne nervige Blicke auf uns zu ziehen.

Danke an die L-Mag und die Siegessäule für diesen wundervollen Tag!

 

 

Am Sonntag Abend bin ich mit zwei Gefühlen wieder nach Hause gegangen:

 

Erstens: Wow, war das schön!

Zweitens: Wir brauchen mehr queere Räume.

 

Mehr Räume zum Wohlfühlen, in denen wir einfach wir sein können, in denen wir nicht angestarrt werden, in denen wir nicht für unsere Liebe be- und verurteilt werden.

Oder werden können.

Denn an vielen Tagen sind es gar nicht homophoben Überfälle, die den Tag überschatten. Es ist vielmehr die Angst, dass (wieder) etwas passieren könnte, der wachsame Blick, das ständige Überlegen, wieviel Nähe in welchen Situationen geht und der Stress, der damit ganz automatisch kommt.

Die Strategie, trotzdem machen und drauf scheißen was andere sagen, funktioniert oft, aber nicht immer.

 

Ich denke, wir alle kennen diese Tage, an denen wir einfach keine Kraft mehr dafür haben und nur unsere Ruhe wollen.

 

Diese Tage werden bei mir gerade immer mehr. Mein Leben ist sowieso schon oft stressig, zusätzlichen Stress vertrage ich kaum noch. Ganz konkret bedeutet das für uns, dass wir immer mehr das Sofa vorziehen. Auch bei Sonnenschein und wolkenlosem Himmel.

Denn auf dem Sofa müssen wir uns vor niemandem rechtfertigen oder aufpassen. Auf dem Sofa werden wir nicht angestarrt, wenn wir uns küssen und müssen uns keine Sprüche geben.

 

 

Ich bin sicher, es geht nicht nur uns so

 

Sondern vermutlich waren sehr viele queere Personen und Paare schon lange nicht mehr im Freibad, eben aus diesen Gründen. Vermutlich kennen alle queere Personen und Paare die starrenden Blicke, die sexistischen oder aggressiven Kommentare und das Gefühl, nicht so wirklich erwünscht zu sein.

Einigen ist es vielleicht wirklich egal, oder erleben die Situationen anders. Jede hat ja, wie immer, ihre eigenen Geschichten und Sichtweisen.

Aber andere ziehen sich, wie wir, ganz schleichend immer mehr zurück. Und merken es vielleicht selbst nicht mal so richtig.

 

Erst als ich angefangen habe diesen Text zu schreiben, ist mir aufgefallen, wie normal dieses Zurückziehen für uns in den letzten Jahren geworden ist.

 

Und wie wenig ich aktiv darüber nachgedacht habe. Zum Glück habe ich den Blog, auf dem ich meine Erfahrungen teilen und sichtbar machen kann. Viele andere haben dies aber nicht.

 

Und irgendwie bin ich jetzt wütend.

 

Wütend auf mich, dass ich mich so einfach zurückdrängen lasse. Dass ich nicht mehr für mich einstehe und mir nehme was ich will.

 

Wozu zur Hölle bin ich denn Feministin, LGBTIQ Aktivistin, lesbische Bloggerin und studiere oben drauf auch noch Genderstudies? Was bringt mir mein ganzes theoretisches Wissen über Strukturen, Diskriminierung und Gesellschaft denn jetzt?

Denn trotz dieser Erkenntnis, werde ich weiterhin nicht mit meiner Freundin ins Schwimmbad gehen. Höchstens an den See, wo viele Bäume uns schützen und nicht ganz so viele Menschen auf einem Raum sind.

 

Vor allem bin ich aber wütend auf eine Gesellschaft, in der es eben diese Strukturen gibt, die mich zurück auf mein Sofa werfen.

 

Ich bin erst recht wütend auf die Ü50 Männer, die meinen ihnen gehört die Welt und sie müssten uns nicht respektieren. Und außerdem bin ich wütend, weil das nur ca. 5-10% aller Männer so machen, aber das reicht schon, damit ich mich so verunsichert fühle.

 

Weil in mir dann doch das Herz einer Kämpferin schlägt und ich das nicht so auf mir sitzen lassen möchte, möchte ich heute einen Aufruf starten:

 

Lasst uns (wieder) mehr queere Räume erobern!

 

Egal wo und in welcher Form.

Wenn du eh schon in einer LGBTIQ Organisation bist, ist es für euch vielleicht relativ leicht, neue Räume zu schaffen. Und wenn es nicht ein ganzes Freibad ist, dann geht vielleicht ein größeres LGBTIQ Treffen im Freibad, was auch schon eine besondere Wohlfühlatmosphäre kreieren kann.

 

Wenn du nicht im Verein bist, kannst du trotzdem was organisieren!

 

Sei es ein queeres Picknick im Park oder ein gemeinsamer LGBTIQ Filmabend bei jemanden, der ein großes Wohnzimmer und gerne Besuch hat. Und wenn du keine 20 LGBTIQ Freund*innen hast, nutz die sozialen Medien. Lesarion und regionale Facebook Gruppen zum Beispiel sind perfekt dafür.

Oder geh ganz simple zu den Veranstaltungen in deiner Nähe, die eh schon angeboten werden und unterstütze die LGBTIQ Organisationen in deiner Nähe.

Lernt neue Leute kennen, habt Spaß, vernetzt euch.

 

Und nehmt euch die Räume wieder zurück, die ihr gerne haben möchtet!

 

Alles Liebe,

Rainbowfeelings, lesbisch lieben, Lesbenblog, Lesbe, lesbisch

 

P.S.: Teile den Beitrag und den Hashtag #QueereRäume gerne auf Facebook und Twitter, damit noch viel mehr queere Personen darauf aufmerksam werden.

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