Für was brauchen wir eigentlich Labels wie Queer, Butch, Femme und Tomboy?

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Als ich mich am Anfang als lesbisch geoutet hatte dachte ich, jetzt sei alles geklärt. Du bist eine Frau und lesbisch, Selbstdefinition abgeschlossen.

Aber bereits beim Anmelden auf Lesarion musste ich angeben, ob ich mich als lesbisch, bi, queer, Butch, Femme oder Tomboy bezeichne und war damit erstmal total überfordert. Wofür diese ganzen Begriffe? Was bedeuten die und wieso muss ich da jetzt irgendwo mein Häkchen setzen?

 

So geht es anfangs wahrscheinlich vielen von uns und auch in der queeren Szene gibt es eine große Diskussion darüber, warum es überhaupt so viele verschiedene Labels* gibt.

*Kurze Erklärung: Label ist das englische Wort für ‚Etikett‘. Mit Labels meine ich die Selbstbezeichnung(en), die du dir selber geben kannst, wenn du möchtest, aber auch nicht musst. Mit Labels meine ich aber nicht ‚Schubladen‘. Der Unterschied zwischen Labels und Schubladen ist für mich, dass ich mir selber Labels geben kann, wenn ich das will, mir aber Schubladen (und die damit kommenden Vorurteile) von anderen aufgedrückt werden, ohne, dass ich darüber entscheiden kann.

 

Aber wieso machen wir das mit den Labels eigentlich? Ist es nicht schon anstrengend genug, ständig von anderen in irgendwelche Schubladen gepackt zu werden? Wieso müssen wir uns zusätzlich noch als Queer, Butch, Femme, Tomboy etc. bezeichnen?

 

Zu all diesen Fragen hab ich mir ein paar Gedanken gemacht, die ich gerne mit dir teilen möchte. Vorneweg, ich sehe Labels selbst nicht ganz unkritisch. Wie immer im Leben gibt es kein reines „Richtig“ oder „Falsch“. In diesem Artikel möchte ich aber darüber schreiben, was Labels uns bringen können und wieso sie so wichtig sein können:

 

1. Labels helfen dir, dich selbst zu beschreiben

Die Fragen, wer bin ich eigentlich und wie beschreibe ich das denn am Besten, kennen vermutlich die Meisten von uns. Uns selbst und unsere Gefühle auszudrücken ist bei weitem nicht immer einfach, gerade wenn es um Sexualität und Geschlechtsidentität geht. Labels können uns helfen, zumindest für einen Teil unserer Gefühle Begriffe zu finden. Das kann uns zum einen helfen, uns selbst zu verstehen, zum anderen können wir uns somit anderen Personen leichter begreifbar machen, ohne uns stundenlang erklären zu müssen.

 

2. Labels geben dir eine Community

Menschen tendieren dazu, alles irgendwie einordnen zu wollen. Wenn wir das können, fühlen wir uns sicherer. Wenn wir wissen, dass eine Person zu der gleichen Gruppe gehört wie wir, dann fällt es uns leichter dieser Person ein gewisses Vertrauen entgegen zu bringen und somit einfacher eine Verbindung herzustellen. Labels können uns dabei helfen, andere Personen zu finden, die uns zumindest in bestimmten Punkten ähnlich sind.

 

3. Du bestimmst über deine Labels

Bei Labels geht es nicht darum, dass andere zu dir kommen und sagen, „Oh, du hast lange Haare und bist lesbisch, na dann bist du wohl ’ne Femme.“ Bei Labels geht es für dich darum, genau hinzusehen und dich zu fragen, wie du dich fühlst und wer du wirklich bist. Wenn du möchtest kannst du dir und deinen Gefühlen dann einen oder mehrere Namen und Bezeichnungen geben, du musst es aber nicht. Labels sind kein Pflichtprogramm für jede*n, sondern bieten uns nur die Möglichkeit uns und unsere Gefühle durch bestimmte Wörter besser beschreiben zu können.

In vielen Bereichen unseres Lebens werden uns immer wieder Schubladen und Attribute zugeschoben, die wir uns nicht selber aussuchen können. Bei Labels ist das anders. Labels sind reine Selbstbezeichnungen. Durch Labels haben wir oftmals das erste Mal in unserem Leben die Chance, uns selbst zu definieren. Und genau deswegen sind Lables auch so powerful.

 

4. Labels können sich ändern

Labels müssen keine Gemeingültigkeit für die Ewigkeit haben. Sie sind einfach nur ein Ausdruck davon, wie du dich heute fühlst und wie du dich selbst bezeichnen möchtest. Das kann sich aber natürlich jederzeit ändern. Ich persönlich hab mir schon so einige Lables gegeben, von bisexuell zu lesbisch, zu queer in lesbischer Beziehung, zu lesbisch und queer gleichzeitig… Je nachdem, wie es mir in der jeweiligen Lebensphase gerade ging. Inzwischen bin ich für mich bei „ich hab eigentlich gar keine Lust mehr aus Labels“ angekommen, benutze sie aber trotzdem, um sichtbar zu sein und anderen in wenigen Worten erklären zu können, wer ich eigentlich bin.

 

5. Labels machen dich sichtbar

Gerade in der Heterowelt wird oftmals nicht davon ausgegangen, dass eine Frau ja auch eine andere Frau lieben könnte. Fragen wie, „Hast du eigentlich einen Freund?“ kennen wir alle. Spätestens an dem Punkt fühle ich mich gezwungen, klarzustellen, dass ich lesbisch bin. Und gebe mir damit automatisch ein Label.

Aber auch in der LGBTIQ Communtiy kann es helfen, Labels wie Butch, Femme, Tomboy, queer etc. zu haben. Gerade Femmes haben in der Gesellschaft, und leider manchmal auch in der Community, mit Sichtbarkeit zu kämpfen. Ein Label für Personen, die ähnliche Erfahrungen machen, schafft nicht nur eine Gemeinschaft, sondern bringt Aufmerksamkeit auf das Thema und sorgt somit für mehr Sichtbarkeit. Nicht umsonst ist „Femme visibility“ in der queeren Szene ein Standartausdruck geworden, der immer wieder auf verschiedenen Events und bei unterschiedlichen politischen Aktionen zu hören ist.

 

Wie geht es dir mit dem Thema? Welche Labels gibst du dir?

Schreibs in die Kommentare!

 

Alles Liebe,

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7 Comments

  1. lisa juhas sagt:

    hi annie,ich selber gebe mir den label,dass ich maskulin bin und auf frauen stehe 😉

  2. Hey Annie:)
    Das einzige Label, mit dem ich mich so ziemlich identifizieren kann ist „lesbisch“, da ich mich bisher nur zu Frauen hingezogen gefühlt habe. Ich benutze ihn allerdings eher selten, sondern sage lieber, dass ich auf Frauen stehe oder so.
    Mit weiteren Begriffen wie „Butch“, „Femme“, „Tomboy“ etc. kann ich irgendwie – für mich – nichts anfangen, da nichts von dem, was diese Begriffe beschreiben, auf mich wirklich zutrifft. Ich habe lange Haare, schminke mich aber so gut wie nie, ich trage selten bis nie Kleider, aber meistens Kleidung aus der Frauenabteilung. Somit bin ich von allem etwas, irgendwo dazwischen und einfach ich:)
    Labels sind nämlich nur so lange gut und hilfreich, wie sie uns nicht einschränken 🙂
    Liebe Grüße, A.

  3. Victoria sagt:

    Ich denke, der Begriff ,,femme“ passt zu mir, obwohl ich eigentlich gar nicht so sehr in geschlechtlichen Kategorien denke, sondern Menschen einfach so annehme, wie ich sie vorfinde, ohne die willentlich in Schubladen zu stecken. Frauen finde ich allgemein optisch anziehender als Männer und ich stelle es mir voller Leichtigkeit vor, Freundschaften zu haben, bei denen ich nicht immer gegen körperliche Wünsche anderer an mich angehen muss. Ich kenne allerdings noch keine Lesbierinnen und weiß nicht ob ich mir das zu sonnig ausmale. Ich hoffe jedenfalls, welche zu finden, deren Wünsche an Zärtlichkeit und körperlicher Intimität nicht über das in Freundschaft verortete Maß hinausgehen. Also Labels: ,,femme“, ,,solistin aus passion“, ,,asexuell“

    Dieses Thema finde ich interessant und für zwei Arten von Leuten ganz besonders wichtig: nämlich für diejenigen, die sich gut mit gewissen Labels dargestellt sehen und zum anderen für solche Exoten wie mich, die dadurch Begriffe vorfinden, mit denen sie sich leichter verständlich machen können, welchen Bereichen innerhalb der Neigungsgemeinschaft sie sich zugehörig fühlen und welchen eben gar nicht.

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