Mein Outing am Arbeitsplatz

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Ich bin lesbisch. Aber – soll ich mich an meinem Arbeitsplatz outen oder nicht?

Ändert sich irgendetwas dadurch und ergibt das Nachteile?

All das habe ich mich gefragt, als ich eine neue Arbeitsstelle angenommen habe. Hier möchte ich dir über meine persönlichen Erfahrungen und Entscheidungen zum Thema berichten.

 

Das Vorstellungsgespräch

 

Im August 2015 habe ich meine Ausbildung begonnen und mir davor überhaupt keine Gedanken gemacht, ob ich mich outen soll oder nicht.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich ehrenamtlich in einer schwul-lesbischen-Organisation gearbeitet und musste mir bisher berhaupt keine Gedanken zu dem Thema machen. Geoutet war ich überall.

Bei meinem Vorstellungsgespräch kam natürlich auch die Frage nach Freizeitaktivitäten und ich habe von der Organisation erzählt. So war ich von Anfang an bei meinem Chef geoutet.

 

Der Beginn meiner Ausbildung

 

Als ich dann die Ausbildung angefangen habe, hatte ich so viel um die Ohren, dass ich gar nicht dazu gekommen bin, von meinem lesbisch sein zu erzählen.

Außerdem kennt man die neuen Kollegen ja auch nicht soooo gut, dass man denen gleich alles auf die Nase binden möchte. Auf die Frage, ob ich denn einen Freund habe, habe ich immer nur geantwortet:

“Ja, ich bin glücklich vergeben.“. Damit war die Neugier meist befriedigt.

 

Outing, ja oder nein?

 

Ich muss dazu sagen, dass ich in einer Branche arbeite, welche nicht unbedingt zu einer Frauentypischen zählt.

Die meisten meiner Kollegen sind über 40 Jahre alt und hatten nie etwas mit Schwulen, Lesben oder sich anders definierenden Menschen als Cis-hetero zu tun. Jedoch konnte ich immer aus Kommentaren heraushören, dass sie dem nicht positiv gegenüber stehen.

Um es kurz zu machen, ich habe mich nicht geoutet.

 

Warum?

 

Als Auszubildende bin ich in einer Stellung in meinem Unternehmen, an dem ich am untersten Ende der „Nahrungskette“ stehe. Ich bin abhängig davon was meine Kollegen in meine Bewertungen schreiben und ich habe ehrlich gesagt keine Lust darauf, dass meine Sexualität etwas an meiner Arbeitsbewertung ändern.

Grundsätzlich vertrete ich die Meinung, dass man sich nicht verstecken sollte.

Aber ich bin, leider, ein Mensch, der es auch nicht darauf anlegt etwas zu provozieren. Ich muss nicht unbedingt dazu stehen, dass ich lesbisch bin, aber ich bestehe auch nicht darauf, dass ich hetero sein könnte.

 

Meine Lösung

 

Ich rede immer zu von meinem Schatz und vermeide eindeutige Pronomen. Was mit der Zeit wirklich einfach geworden ist.

Ich verstelle mich also nicht. Ich erzähle es einfach nur nicht ganz, was sich mit meiner Moral ganz gut verträgt.

Natürlich habe ich auch engeren Kontakt zu verschiedenen Kollegen, mit denen ich auch privat mal quatsche. Auch dort bin ich nur bei denen geoutet, denen ich voll und ganz vertraue, dass sie das in meinem Unternehmen nicht rum erzählen.

 

Natürlich würde ich gerne offen und ehrlich sagen, dass ich seit mehr als zwei Jahren in einer glücklichen Beziehung bin und sie die Frau ist, mit der ich bis zu meinem Lebensende zusammen sein möchte.

 

Aber ich bin momentan nicht in der Position, da ein Outing meinen Arbeitsalltag einschränken würde.

Das wird sich alles nochmal ändern, wenn ich nicht mehr in meiner Ausbildung bin und daher auch nicht mehr so abhängig von der Meinung meiner Kollegen bin.

Ich muss mich schließlich nicht mit jedem verstehen und einen auf beste Freunde machen. Man kann sich immer aus dem Weg gehen und man muss nicht auf Kommentare reagieren.

 

Wie du mit dem Thema umgehen kannst

 

Wenn du noch vor der Entscheidung stehst, ob du dich in deiner Arbeit outen solltest oder nicht, hier sind meine persönlichen Gründe, die für und die gegen ein Outing sprechen:

 

5 Gründe, sich in der Arbeit zu outen

1. Du kannst frei und offen über dein Privatleben erzählen, ohne auf irgendwelche Pronomen zu achten Angst zu haben, dass du dich versprichst.

2. Du fühlst dich einfach freier und hast nicht immer im Hinterkopf, dass sie ja eh kaum etwas über dich wissen.

3. Es gibt genügend Menschen, die dich für deine Ehrlichkeit schätzen und dich unterstützen werden. Dadurch entstehen garantiert auch Freundschaften, die über die Arbeit hinaus reichen.

4. Vorbildfunktion. Sobald du in einer größeren Firma arbeitest, gibt es garantiert mehr als einen, der sich nicht als Cis-Hetero definiert. Mit einem Outing reichst du diesen Menschen die Hand und hilfst vielleicht auch ihnen aus ihren Schränken.

5. Du trittst den Gerüchten in den Hintern. Wie oft wird hinter dem Rücken über einen geredet und Sachen vermutet? Mit einem offenen Outing beugst du Gerüchten und Lästerein vor. Wer kann schon lästern, wenn du ihm oder ihr gegenüber stehst und sagst: “Ja, ich bin lesbsich und jetzt?“

 

5 Gründe, sich nicht in der Arbeit zu outen

1. Kommentare. Diese doofen Kommentare von irgendwelchen Menschen, die völlig beschränkt sind und meinen, dass alles, was nicht cis-hetero ist gleich ein Alien ist und denken, sie wären lustig, wenn sie Mist erzählen.

2. Du bist oftmals, z.B. in der Ausbildung, von den Bewertungen deiner Kolleg*innen abhängig. Wenn dann gerade die Person homopho ist, bekommst du mit großer Wahrscheinlichkeit eine ungerechtfertigtes, schlechtes Fazit.

3. Du musst keinem erklären, wer bei euch das Mann in der Beziehung ist. Oder wie Lesben-Sex überhaupt funktioniert.

4. Du bist nicht so sehr Zielobjekt der männlichen Fantasie und musst dir irgendwelche anzüglichen Bemerkungen anhören oder so peinliche Fragen wie: “Darf ich mal mitmachen?“

5. Es könnte sein, dass andere weibliche Kolleginnen sich von dir entfernen, wenn sie nicht akzeptieren können, dass du auf Frauen stehst.

 

Wie gehst du mit dem Thema um? Bist du selbst an deiner Arbeitsstelle geoutet?

Lass es mich wissen und schreibs in die Kommentare!

 

Alles Liebe,

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2 Comments

  1. Su sagt:

    Hi. Also ich hab von Anfang an im Büro, einer Anwaltskanzlei, klar gestellt, dass ich lesbisch bin. Man hatte es sofort akzeptiert und ich wurde nicht dauernd gefragt, ob ich einen Freund hab. Ich bin lesbisch und stolz drauf; also warum soll ich mich verstecken? Wir leben immerhin nicht mehr im Mittelalter.

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