3 Dinge, die wir als lesbisches Paar in Vietnam gelernt haben

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Eine der ersten Dinge, die meine Partnerin und ich als lesbisches Paar auf Reisen gelernt haben, ist, dass bei weitem nicht jedes Land so offen mit Homosexualität umgeht, wie das in Deutschland der Fall ist.

Hier in Deutschland bin ich immer und überall geoutet. Ich möchte mich nicht verstecken und das muss ich auch gar nicht. Das ist zwar eine Einstellung, die mich auch hier immer wieder in blöde Situationen bringt, aber in den Meisten Fällen ganz gut klappt.

 

Anders sieht es dann schon aus, wenn wir als lesbisches Paar auf Reisen sind. In über 70 Ländern steht Homosexualität immer noch unter Strafe, was für mich schon ein Ausschlusskriterium ist, zumindest, wenn ich mit meiner Freundin unterwegs bin. Deshalb informiere ich mich schon bei der Zielauswahl genau über die Rechtslage in dem jeweiligen Land.

 

Letztes Jahr war ich mit meiner Freundin in Vietnam backpacken, wo Homosexualität zumindest vom Gesetz her nicht bestraft wird. Aber wie sieht es mit der gesellschaftlichen Situation aus? Müssen wir Angst vor Übergriffen haben, wenn wir auf der Straße Händchen halten?

Ist es für uns besser als beste Freundinnen aufzutreten, statt uns als lesbisches Paar zu outen?

Auf all diese Fragen hatten wir vor unserem Abflug noch keine Antwort.

 

Ich hab das Gefühl, viele offen lesbische lebende Frauen und Paare stellen sich solche Fragen. Vor allem wenn sie sich ein Reiseziel aussuchen, das nicht West Europa oder Nord Amerika ist. Deshalb möchte ich dir hier einen kleinen Einblick geben, wie wir die Lage in Vietnam empfunden haben:

 

1. Händchen halten als Zeichen der Freundschaft

Eine wichtige Frage, die wir uns zu Anfang unserer Reise gestellt haben war, ob wir wohl in der Öffentlichkeit Händchen halten können. Möglichst ohne belästigt und bedrängt zu werden. In einer Facebook-Backpacking Gruppe für Vietnam haben mir auf diese Fragen hin ein paar Leute geschrieben und von ihren Erfahrungen berichtet. Die ausschließlich positiven und empowernden Kommentare haben uns die erste Angst genommen.

Fakt ist, dass in Vietnam, wie auch in den meisten anderen Süd-Ost-asiatischen Ländern, Händchen halten mit einer Person des gleichen Geschlechts als Zeichen der Freundschaft gilt. Tatsächlich haben wir auf unserer Reise viele Frauen und Männer gesehen, die Hand in Hand die Straße entlang gegangen sind und nicht im Geringsten ungewollte Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Gleiches galt auch für uns. Allerdings wurden wir auch oft gefragt, ob wir beste Freundinnen oder Schwestern sein. Auf eine eventuelle Partnerschaft wurden wir hingegen nur ein einziges Mal angesprochen.

 

2. Küssen in der Öffentlichkeit

Anders sieht es mit Küssen in der Öffentlichkeit aus. Küssen und Zärtlichkeiten zwischen zwei Liebenden im öffentlichen Raum sind in Vietnam absolut verpönt. Die Liebe gehört ins Private und wird nicht öffentlich gezeigt, egal ob heterosexuell, homosexuell, jung oder alt. Während unserer ganzen Reise haben wir nie zwei sich küssende Personen gesehen und natürlich haben wir uns auch daran gehalten. Sich-selbst-sein zu wollen ist das Eine, Respekt vor der Kultur des Landes, das man gerade entdecken möchte, ist meiner Meinung nach in dem Moment aber um einiges wichtiger. Und da die Nicht-Küssen Regel nicht nur für uns, sondern auch für heterosexuelle Pärchen gilt, hat es uns auch nicht das Gefühl gegeben, als lesbisches Paar hier ungewollt zu sein.

 

3. Der Travel Closet

Auf dem Blog Globetrottergirls habe ich einen sehr interessanten Begriff gelesen: Der Travel Closet. Bloggerin Jess schreibt, dass sie und ihre Partnerin zu Hause zwar komplett geoutet sind, sich dies aber ändert, sobald sie in ein weniger liberales Land reisen. Aus Sicherheitsgründen ziehen sie es in einigen Situationen vor, sich nicht zu outen um nicht eine extra Portion Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ein Statement, das ich total nachvollziehen kann und auch ähnlich mache.

Mich nicht zu outen fühlt sich zu Hause an wie ein Verrat. Nicht nur ein Verrat an mich selbst, meiner Persönlichkeit, meinem Leben und meiner Partnerin. Sondern auch ein Verrat an die LGBTIQ Community, die so hart für LGBTIQ Rechte, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Akzeptanz gekämpft hat und immer noch kämpft. Allein aus diesem Grund könnte ich mich niemals ohne schlechtem Gewissen verstecken und selbst verleugnen.

Aber Reisen ist für mich was anderes, da geht meine Sicherheit in vielen Situationen einfach vor. Ich versuche natürlich lieber in Länder zu reisen, in denen Homosexualität nicht nur rechtlich, sondern auch gesellschaftlich anerkannt ist. Und trotzdem bleibe ich manchmal einfach lieber ungeoutet.

 

In Vietnam war das nichts anderes. Während der ganzen Reise haben wir Situationen immer wieder neu aus gecheckt, uns überlegt, wie weit wir gehen können und vor allem auf unser Bauchgefühl gehört.

 

Oft hatte ich aber auch das Gefühl, dass es den Vietnamesen ziemlich egal ist, ob wir jetzt lesbisch sind oder nicht. Solange wir höflich und freundlich waren, sind uns alle auch mit Höflichkeit und Respekt begegnet. Ganz automatisch und standardmäßig wurden wir in den meisten Hostels gefragt, ob wir ein Doppelbett oder Singlebetten bevorzugen. Auch beim Einkaufen von Männerkleidung an Marktständen oder Kleidungsgeschäften wurden wir maximal darauf hingewiesen, dass es ein ähnliches Teil auch in Frauenversion gibt.

 

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Insgesamt haben wir uns die ganze Zeit über sehr sicher gefühlt und zum Glück haben wir nicht Negatives erleben müssen. Vielleicht lag es mit daran, dass wir oft als „beste Freundinnen“ gesehen wurden. Viele haben wahrscheinlich gar nicht vermutet, dass wir ein lesbisches Paar sein könnten. Vielleicht ist Vietnam aber auch einfach schon zumindest in diesem Thema ein sehr fortschrittliches Land, das einfach die Liebe so akzeptiert wie sie ist. Eine Vietnamesin bei der wir uns geoutet hatten, meinte, dass die Gesellschaft hier sehr viel weiter ist als die Regierung. Sie selbst versteht auch nicht, wieso Lesben und Schwule in Vietnam noch nicht heiraten dürfen. Allerdings hofft sie, dass dieses Recht bald eingeführt wird. Fingers crossed, dass LGBTIQ in Vietnam nicht mehr lange darauf warten müssen.

 

Wie geht es dir mit diesem Thema auf Reisen? Outest du dich oder lässt du es manchmal lieber sein? Welche Situationen hast du schon erlebt?

Schreibs in die Kommentare!

 

Alles Liebe,

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6 Comments

  1. JED sagt:

    Nun ist es auch bald bei uns soweit, Vietnam ruft!
    Und jetzt kommen doch noch einige Fragen, ich hoffe, ich nerv Dich nicht.

    1. Ich überlege ein Wörterbuch für Vietnamesisch mitzunehmen, meine Freundin meint, wir kämen da auch mit Englisch weiter.
    Wie sind Deine Erfahrungen?

    2. Seid Ihr innerhalb Vietnams nochmal geflogen bzw. wie habt Ihr Euch fortbewegt? Kann man Taxifahrern „vertrauen“ (im Reiseführer stehen zum Teil gruselige Geschichten).

    3. Wo tauscht man am besten Geld?

    4. Hattet Ihr eure Unterkünfte vorher gebucht oder findet man immer etwas vor Ort?

    GANZ LIEBEN DANK!!!

    4.

    • Annie sagt:

      Hey 🙂
      Also wir hatten kein Wörterbuch dabei, mit englisch kommt man realtiv weit und sonst geht verständigen mit den Händen auch ganz gut. Manchmal muss man da eben ein bisschen kreativ werden 😀 Ein Wörterbuch wäre eben noch zusätzliches Gewicht im Rucksack..
      Wir sind in Ho Chi Minh angekommen und dann noch am selbsen Tag nach Hanoi weiter geflogen. Von dort aus haben wir immer den Bus oder den Zug genommen. Nachtbusse sind eine tolle Möglichkeit Zeit und Geld zu sparen. Bei Taxis hatten wir nie Probleme, manchmal gibt es auch nur Motorradtaxis, aber das ist auch ok. Nehmt abends lieber eine Taxi nach Hause, wenn ihr euch nicht sicher fühlt.
      Wir haben gar kein Bargeld dabei gehabt und wollten gleich am Flughafen Geld abheben. Da es mitten in der Nacht war, hatte nichts mehr auf, wir haben uns ein Taxi genommen und ihm gesagt, dass wir noch Geld brauchen. Er hat dann an einem Automaten kurz Halt gemacht.
      Für die Unterkünfte haben wir nur die aller erste Nacht gebucht, alles andere haben wir vor Ort organisiert. Hat eigentlich immer geklappt, passt aber auf, dass ihr noch gut vor Dunkelheit in der neuen Stadt ankommt, damit ihr noch Zeit habt, was zu suchen. Und schaut euch die Zimmer immer vorher an, bevor ihr es nehmt!

      Ich wünsche euch ganz ganz viel Spaß! Genießt eure Zeit in diesem wunderschönen Land 🙂
      Liebe Grüße,
      Annie

  2. Sabine W. sagt:

    Der Satz: „In über 70 Ländern steht Homosexualität noch unter Strafe“ impliziert daß es langsam aber sicher weniger werden und gleichgeschlechtlicher Verkehr irgendwann straffrei bleiben wird. Dies ist aber bei weitem nicht der Fall, da insbesondere afrikanische Länder die Strafen zum Teil erheblich verschärft haben was bis zur Verhängung der Todesstrafe bei schwulen Männern geht.

    • Annie sagt:

      Hallo Sabine,
      ja, so könnte der Satz ebenfalls gelesen werden.
      Mit „noch“ wollte ich zunächst einmal klar machen, dass es eben Länder gibt, in denen Homosexualität nicht legal ist. Personen, die nicht oder kaum reisen ist das oftmals nicht so bewusst.
      Zum anderen ist es tatsächlich so, dass die Zahl der Länder die Homosexualität betrafen, seit Veröffentlichung dieses Artikels, von 75 auf 72 herunter gegangen ist. Im Mai haben Nauru und die Seychellen entsprechende Gesetze abgeschafft, seit Anfang August ist Homosexualität auch in Belize legal.
      Trotzdem stimmt es natürlich, dass in vielen Ländern die Gesetze wieder verschärft werden, wie zum Beispiel in Indonesien, wo sich die Siutation von LGBTIQ Personen seit Anfang 2016 drastisch verschlechtert.

  3. JED sagt:

    DAAANKE!! Noch 2 Tage… ;))

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